Zina Morbach

Jan. - März 2014
Kontakt zina.morbach@yahoo.de
Universität Georg-August Universität Göttingen
Projekt am WSC Heart rate variability of wolves and trainers in different test situations

Ich studiere momentan in meinem dritten Mastersemester an der Universität Göttingen im Studiengang „Neural, Developmental, and Behavioral Biology“. Schon während meines Bachelorstudiums in Münster wurde mir klar, dass mich das Verhalten von Tieren am meisten fasziniert, weshalb ich meine Bachelor-Arbeit darauf ausrichtete und den Effekt von regelmäßigem Handling auf Meerschweinchen untersuchte. Um mein Wissen im Gebiet der Verhaltensbiologie weiter zu vertiefen, wechselte ich danach an die Göttinger Universität, wo ich vor allem mit Primaten arbeite, speziell mit Lemuren im Rahmen eines Projektes in Madagaskar. Da mich aber auch Karnivoren, speziell solche mit einem ausgeprägten Sozialsystem, schon immer faszinierten und es seit meiner Kindheit mein Traum war mit Hunden zu arbeiten, bewarb ich mich um eine Praktikumsstelle am WSC. Ich freue mich sehr, hier nun für vier Monate mit Wölfen arbeiten und mir dieses Projekt sogar von meiner Universität anrechnen lassen zu können, bevor ich dann im Sommer mit meiner Masterarbeit beginne.

In meinem Projekt messe ich die Herzfrequenz von sechs Wölfen und den mit ihnen arbeitenden Trainern in verschiedenen Testsituationen, und zwar mit einem Jogging-Gurt für Menschen! Ich möchte herausfinden, ob sich die Herzfrequenz bzw. die Variabilität in den Abständen zwischen zwei Herzschlägen in verschiedenen Situationen unterscheidet, genauer gesagt bei einem Spaziergang mit einem Trainer, einer Session am Touchscreen oder einem sogenannten Learning Set, bei dem es um die Unterscheidung verschiedener Formen geht. Parallel messe ich die Herzfrequenzen der begleitenden Trainer, um möglicherweise einen Zusammenhang zwischen den Frequenzen der Menschen und denen der Tiere zu entdecken. Zum Beispiel könnte es sein, dass sich Nervosität oder aber auch Ruhe vom Trainer auf den Wolf oder umgekehrt vom Wolf auf den Trainer überträgt. Außerdem könnte die Qualität der Beziehung zwischen Tier und Trainer eine Rolle spielen, sodass sich die Variabilität der Herzschlagrate der Wölfe, die als ein Anzeichen der mentalen Verfassung betrachtet wird, unterscheiden könnte, je nachdem mit welchem Trainer sie gerade zusammenarbeiten.

Mein Projekt finde ich aus zwei verschiedenen Gründen sehr spannend. Erstens wird die Variabilität der Herz-Frequenz als ein Indiz für psychischen Stress betrachtet. In meiner Bachelor-Arbeit untersuchte ich unter anderem den Kortisol-Gehalt im Blut der Meerschweinchen, das sogenannte „Stresshormon“. Insofern habe ich nun hier die Möglichkeit, eine andere Art kennenzulernen, „Stress“ messbar zu machen. Der zweite und mir noch wichtigere Grund ist, dass meine Arbeit einen Beitrag zum Verständnis der Mensch-Tier-Beziehung und der Bedeutung dieser Beziehung liefern kann. Ich bin mit meinem Projekt in die Doktorarbeit von Kim eingegliedert, welche die gleichen Messungen schon mit Hunden durchgeführt hat. Dies ermöglicht uns schlussendlich also auch noch einen Vergleich zwischen Hund und Wolf und ihrer Beziehung zum Menschen.