Michelle Lampe

Februar 2015 - November 2015
Kontakt mhj.lampe@gmail.com
Universität Radboud University of Nijmegen
Projekt am WSC Kommunikatives Verständnis und kausale Begründung bei Hunden und Wölfen
Dabei seit Mitte Februar 2015
Lieblings- Wolfsgeschichte Zwei Wölfe (eine indianische Legende der Cherokee)
Lieblingstier am WSC Ich liebe alle Tiere! Aber Geronimo, Yukon, Amarok, Chitto und Banzai habe einen besonderen Platz in meinem Herzen ☺
Lieblings- Wolfsheulen Amarok

Als Kind hatte ich einen großen Traum: ich wollte ein Wolf werden. Ich habe mein Heulen geübt, mein Knurren und meine Gesichtsausdrücke. Es war mir sehr ernst mit meinem Traum, bis ich ein bestimmtes  Alter erreichte und mein Traum sich etwas veränderte. Ich realisierte, dass ich kein Wolf werden kann, und beschloss stattdessen unter ihnen sein zu wollen. Das war etwas realistischer, trotzdem brauchte es dafür noch eine große Portion Glück und eine hohe Dosis an Hartnäckigkeit.

Während der Highschool bekam ich die Diagnose einer chronischen Erkrankung in meinen Beinen. Für eine lange Zeit saß ich im Rollstuhl, ging mit Krücken durchs Leben und litt unter immensen Schmerzen. Den Großteil meiner Zeit verbrachte ich mit dem Kampf gegen meine Krankheit in Rehabilitationszentren, Krankenhäusern und Zuhause. Ich hielt an dem Glauben fest, eines Tages in der Lage zu sein auf Reisen zu gehen und die Wölfe zu finden, die bereits seit meiner Kindheit nach mir rufen. Während ich gegen meine Krankheit ankämpfte, gelang es mir, in der Schule mitzuhalten und meinen Abschluss zu machen. Als ich mein Leben wieder im Griff hatte, war es an der Zeit eine Entscheidung zu treffen: würde ich auf eine Kunstakademie gehen um meine künstlerischen Fähigkeiten weiter auszubauen oder gehe ich in die entgegengesetzte Richtung und jage meinen geliebten Wölfen nach, indem ich einen wissenschaftlichen Studiengang wähle. Ich habe mich für letzteres entschieden und studiere Biologie an der Raboud University of Nijmegen in den Niederlanden. Nach einer breit aufgestellten Einführung in die Welt der Biologie begann ich mich in den Bereichen Verhaltensbiologie, Ökologie, Genetik und Evolution zu spezialisieren. Für meine Bachelorarbeit beschloss ich in den Niederlanden zu bleiben und studierte den Einfluss von Flugzeugen auf die Verteilung von Beutetieren für Turmfalken in Haarlemmermeerpolder, eine Gegend um  den Schiphol Flughafen.

Währenddessen habe ich aber nie die Wölfe vergessen. Mehrere Jahre lang verfolgte ich bereits die Projekte und Forschungsergebnisse des Wolf Science Centers und wartete nur auf den richtigen Moment, mich für ein Forschungspraktikum zu bewerben. Im Sommer 2014 hatte ich dann plötzlich das Verlangen meine Bewerbung zu schreiben. Ich suchte alle notwendigen Dokumente zusammen und wartete spannungsgeladen auf eine Rückmeldung, welche ich recht bald in Form einer Zusage bekam. Ich weinte Tränen der Freude, dass mein Traum endlich wahr werden würde und ich die Früchte meiner harten Arbeit ernten konnte.

Ursprünglich sollte ich den Ursprung von aggressivem Verhalten in Welpen von sowohl Hunden als auch Wölfen forschen. Der Plan war es, dass das Wolf Sciene Center in diesem Jahr eigene Wolfswelpen bekommen würde, welche ich dann mit den Hundewelpen vom Vorjahr vergleichen würde. Trotz all der Bemühungen des WSC gelang es dieses Jahr jedoch leider nicht, eigene Wolfswelpen zu züchten. Ohne die Daten über die Wolfswelpen war mein Projekt verloren und ich musste mich schnell entscheiden, ob ich daran festhalten, oder nochmal komplett neu starten würde. Mir war klar, dass es mir eher schaden als nützen würde, wenn ich an den Welpen festhalte. Mit gebrochenem Herzen gab ich also mein ursprüngliches Projekt auf und wagte mit einem anderen Projekt einen Neustart.

Wenn ich heute auf diese damals so harte Entscheidung zurück sehe, bin ich doch froh, sie getroffen zu haben. Ich habe mein ganz eigenes Projekt bekommen, den Inference-Test (Schlussfolgerungstest), welcher eine Weiterführung des  2006 veröffentlichten Papers „Making inferences about the location of hidden food: social dog, casual ape“ (Schlussfolgerungen über den Ort von verstecktem Futter: sozialer Hund, gleichgültiger Affe)  des Max Planck Instituts in Leipzig  ist. Während sich das Paper mit Haushunden und Affen beschäftigt, untersuchte ich in Rudeln lebende Hunde und Wölfe auf ihre Fähigkeit hin, Schlussfolgerungen zu ziehen. Was ich an meinem Test besonders liebe, ist der enge Kontakt, den ich zu den Tieren habe und zu beobachten, wie sie versuchen meine Hinweise zu verstehen. Es ist ein schönes Projekt und das sich wiederholende Durchspielen von verschiedenen Hinweisen hat mir besonders viel Freude bereitet. Wenn alles gut läuft, kann man schon bald mehr über meine Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Paper lesen, das wäre zumindest das ultimative Ziel. Mal sehen, wie weit ich komme ;)