Lars Burkert

Oktober 2015 - Juni 2016
Kontakt lburkert@students.uni-mainz.de
Universität Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Projekt am WSC Ein Vergleich agonistischen Verhaltens während Rudelfütterung bei juvenilen als auch adulten Wölfen und Hunden

Ursprünglich komme ich aus Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Dort habe ich mein Abitur gemacht. Schon in der Grundschule wusste ich, dass ich später mal mit Tieren arbeiten will. Auf dem Gymnasium war Biologie dann auch mein bestes Fach. Bevor ich dann aber mit einem Biologiestudium angefangen habe, wollte ich doch sicher gehen und sehen ob mir das wirklich liegt. Denn Schulunterricht und richtige wissenschaftliche Arbeit sind zwei Paar Schuhe. In Hilden, einem Ort nicht weit entfernt von Düsseldorf, habe ich dann meine Ausbildung zum Staatlich geprüften Biologisch-Technischen Assistenten erfolgreich absolviert. Danach bin ich zum Studium der Biologie in die Nähe von Mainz (Rheinland-Pfalz, Deutschland) gezogen. An der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz habe ich meinen B. Sc. Biologie mit einer Arbeit über den Einfluss eines Klimagradienten mit unterschiedlichen Variablen auf das Verhalten von Ameisen der nordamerikanischen Gattung Temnothorax erfolgreich abgeschlossen. Auch während meines Masterstudiums habe ich meinen Schwerpunkt auf Evolution, Ökologie und Verhalten von Tieren gelegt. Heute bin ich 27 Jahre und ich dachte mir, dass ich, bevor ich mein Masterstudium abschließe, für ein oder zwei Semester ins Ausland gehen sollte. Da ich fasziniert von Wölfen und Hunden bin, habe ich mich auf einen Platz für eine Masterarbeit am Wolfforschungszentrum Ernstbrunn beworben, und diesen auch glücklicherweise erhalten. Nun bin ich am WSC und schreibe meine Arbeit über den Vergleich von agonistischem Verhalten während der Rudelfütterung bei Wölfen als Hunden. Dafür filmen wir Wolf- und Hunderudel während Fütterungen mit unterschiedlichen Bedingungen. Die Bedingungen reichen von Futter, welches sehr einfach von einem Tier zu monopolisieren ist, wie z.B. ein großes Stück Fleisch, bis zu nicht zu monopolisierendem Futter, wie z.B. sehr viele kleine Stücke Fleisch. Das Verhalten der unterschiedlichen Individuen wird später analysiert. Dann vergleichen wir das Verhalten von Hunden und Wölfen, sowohl als Welpen als auch als ausgewachsene Tiere.

Ich mag alle Wölfe und Hunde am WSC, sie sind alle vollkommen unterschiedlich vom Charakter. Der Wolf, den ich am faszinierendsten finde, ist Amarok. Er ist nochmal ein kleines wenig anders, als die anderen, weil er vor so gut wie nichts Angst hat und alles äußerst interessant findet. Das ist für Wölfe, welche von Natur aus neophob sind, recht außergewöhnlich. Aber auch für Wölfe, die von Menschen aufgezogen wurden, ist es nicht selbstverständlich. Vielleicht waren die ersten Wölfe, mit welchen die Domestikation der Hunde begonnen hat, wie er. Von den Hunden mag ich Panya am liebsten, weil sie mich an meine Hündin zu Hause erinnert, die ich sehr vermisse.

Ich lebe nun schon seit fast zwei Monaten am WSC und kann die Wölfe und ihr Verhalten aus erster Hand beobachten. Und was ich sehe, bestärkt mich immer mehr in meiner Ansicht, dass Wölfe überaus intelligente und hoch soziale Tiere sind. Sie können komplexe Aufgaben lösen und stellen uns ebenso vor Herausforderungen, wie wir es mit ihnen tun. Zur Abwechslung lieben sie es aber auch auf Spaziergängen zu gehen und dabei Neues zu sehen, hören und riechen, oder bei Rudelbesuchen auch mal neue Leute kennen zu lernen. Ab und zu gibt es auch mal Reibereien im Rudel, aber das kommt in jeder Familie mal vor und die Wölfe sind in der Lage, dass selbst zu regeln. Andererseits kümmern sie sich auch um ihre Rudelmitglieder und lassen sie immer wieder an ihrem Futter teilhaben. Einige Leute werden jetzt sagen, dass man von Hand aufgezogene, zahme Wölfe nicht mit wilden Wölfen vergleichen kann. Aber auch wilde Wölfe sind nicht weniger intelligent oder sozial, nur um einiges scheuer, weshalb man sie auch so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Zugegeben Wölfe können unter Nutzvieh große Schäden anrichten, wenn dieses nicht richtig geschützt und gesichert ist. Das ist aber auch zum Teil dem Menschen geschuldet, welcher diese Tiere domestiziert und damit auf mehr Ertrag und weniger Wehrhaftigkeit selektioniert hat. Aber der Mensch ist anpassungsfähig, so hat er schon vor Jahrhunderten Hunde darauf selektioniert und abgerichtet, ihre entfernten Verwandten von den Herden fernzuhalten, was sehr gut funktioniert hat! Der Wolf ist mindestens genauso anpassungsfähig, wie der Mensch, und nicht, wie viele Leute glauben, auf unberührte Wildnis angewiesen, um zu überleben. Das beweisen zum Beispiel die Wolfsrudel im Osten Deutschlands sehr eindrucksvoll, welche auf genutzten Truppenübungsplätzen oder in den Mondlandschaften des Braunkohletagebaus eine neue Heimat gefunden haben. Da Wölfe äußerst territorial sind und keine fremden Wölfe dulden, gibt es auch nie zu viele Wölfe in einem Gebiet. Außerdem sind sie wahre Meister darin, aus Gruppen von Beutetieren die kranken und schwachen Tiere heraus zu holen, während sie gesunde, kräftige Tiere nicht jagen, da die Erfolgsaussicht zu gering und die Einsatz zu hoch ist. Damit sind sie auch keinerlei Konkurrenz für menschliche Jäger, welche es vornehmlich auf die größten und kräftigsten Tiere abgesehen haben. Ich glaube, dass mit ein wenig Aufwand unsererseits ein friedliches Zusammenleben mit Wölfen in unseren Wäldern möglich ist und diese, meiner Meinung nach, schützenswerte Art dazu beitragen würde, diese Ökosysteme gesünder zu halten. Ich hoffe, dass meine Arbeit dazu beitragen kann, Wölfe besser zu verstehen und würde mich sehr freuen, wenn sie ihren Schutz unterstützt.