Geraldine Werhahn

März-Juni 2012
Kontakt geriwer@yahoo.com
Universität Eidgenössische Technischen Hochschule Zürich (ETHZ).
Projekt am WSC Intraspezifisches “gaze-following” unter Wölfen (Canis lupus lupus) und Hunden (Canis lupus familiaris)- Eine vergleichende Untersuchung über das spontane Vorkommen und den sozialen Kontext

In meiner Projektarbeit am WSC studiere ich das Gaze-following- (zu Deutsch „Blick-Folgen“) Verhalten der Hunde und Wölfe im Rudel. Dies ist ein Verhalten, welches bei vielen sozialen Tieren wie beispielsweise Primaten und Raben, aber auch beim Menschen auftritt. Durch das Gaze-following können die Tiere wertvolle Informationen über das Vorhandensein von Nahrungsquellen oder Feinden in ihrer Umgebung erlangen. Aber es erlaubt ihnen auch mögliche Intentionen ihrer Artgenossen zu erkennen – Blicke können als Fenster in die Wahrnehmung anderer dienen!
Die Fähigkeit von Hunden und Wölfen dem Blick eines Menschen oder Artgenossen zu folgen wurde in Experimenten bereits erforscht. Die Resultate waren teils überraschend und warfen weitere Fragen auf. Um die Bedeutung des Gaze-following in einer Caniden-Gesellschaft besser zu verstehen, will ich das Vorkommen dieses Verhaltens in den Hunde- und Wolfsrudeln des Wolfsforschungszentrums WSC studieren.

Während der Arbeit am WSC war ich am meisten fasziniert vom Beobachten der Tiere in
ihrem natürlichen Verhalten. Jedes Individuum hat seinen ganz eigenen Charakter und daher ist auch jedes Rudelleben anders und sehr dynamisch. Nach dem Abschluss meines Studiums in Wildtier-Biologie habe ich Felderfahrung im Populations-Monitoring von Luchsen und Wölfen gesammelt und mich mit den Konflikten rund um ihre Rückkehr in unsere Landschaften beschäftigt.

Neben der Populationsökologie und dem Schutz von Raubtieren bin ich besonders an der
Erforschung ihrer Kommunikation und ihrem Bewusstsein interessiert. Die von der Evolution
geschaffene Kontinuität von Struktur und Verhalten zwischen Mensch und Tier weist auf ein
komplexes Erleben der Welt durch Tiere hin, ähnlich jenem von uns Menschen. Mit meiner
wissenschaftlichen Arbeit hoffe ich zu einem besseren Verstehen des Denkens und Erlebens von Caniden beizutragen und dadurch positiv auf ihren Status in der menschlichen Gesellschaft zu wirken.