Caroline Haas

Oktober 2015 - Februar 2016
Kontakt haas.caro@hotmail.com
Universität Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Projekt am WSC Do different hand-raising methods influence the intraspecific agonistic behaviour of dogs during pack feeding?
Lieblings- Wolfsong The Cat Empire – Wolves
Lieblings- Wolfsbuch Wolfsblut – Jack London
Lieblingstier am WSC Kenai

Als ich noch ein Kind war verbrachte ich viel Zeit bei meinen Großeltern in Grünau im Almtal. Auf den gefühlt unendlich langen und unzähligen Spaziergängen erzählte mir mein Großvater immer zu von Konrad Lorenz und der Konrad Lorenz Forschungsstelle, da er das Glück hatte, mit ihm zusammengearbeitet zu haben. Die ganzen Geschichten über die Gänse und ihre Prägung auf Lorenz faszinierten mich und in meinem Kopf setzte sich die Idee fest, eines Tages auch Graugänse zu haben, die mir überall hin folgen würden. Im Laufe der Jahre verlor ich jedoch die Biologie etwas aus den Augen und wollte nach meiner Matura viel lieber Psychologie studieren. Das Biologiestudium wurde daher zu meinem Plan B. Meine Motivation und mein Interesse an der Psychologie kamen daher, dass ich verstehen wollte, was in einem Menschen abläuft, wenn er Entscheidungen trifft und wodurch sein Handeln beeinflusst wird. Doch wie es das Schicksal so wollte, habe ich keinen Studienplatz für Psychologie bekommen und mein Weg führte mich wieder zurück  zur Biologie. Aufgrund meines ursprünglichen Wunschstudiengangs war es dann für mich vollkommen klar,  mich im Bereich der Verhaltensbiologie zu spezialisieren, da diese der Psychologie wohl noch am nächsten kommt.

Da sowohl  mein Interesse für Biologie als auch das Wolf Science Center ihre Ursprünge in Grünau im Almtal nahmen, ist es wohl kaum verwunderlich, dass mich mein Weg hierher führte. Mein Interesse an Hunden und Wölfen beruht auf einem generellen Interesse an sozialen Tieren. Ich finde es unheimlich spannend zu sehen, wie sich diese Tiere in Rudeln organisieren und wie die Rangordnung ihr tägliches Leben beeinflusst. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die man in jedem Rudel und jedem Individuum sehen kann, sind es, was mich an diesen Tieren am meisten fasziniert. Man könnte fast sagen, die Verhaltensbiologie ist eine Art Tierpsychologie. Man möchte verstehen worauf welche Verhaltensmuster beruhen, wie Entscheidungen getroffen werden, inwieweit die Tiere Kooperationsbereitschaft zeigen und welchen Einfluss ihre Beziehung zueinander darauf hat. Natürlich sind dies bei weitem noch nicht alle Bereiche der  Verhaltensbiologie, doch es sind womöglich jene, die mich am meisten interessieren.

Im Zuge meines Praktikums hier am Wolf Science Center werde ich meine Bachelorarbeit schreiben und dabei der Frage nachgehen, inwieweit unterschiedliche Methoden bei der Aufzucht von Hundewelpen einen Einfluss auf ihr Aggressionspotential gegenüber Artgenossen haben. Dazu beobachte ich ihr Verhalten während Fütterungen im Rudel und vergleiche rein handaufgezogene Hunde mit anderen Hunden, die Großteils von der Mutter, aber auch zum Teil mit der Hand aufgezogen wurden. Gleichzeitig führe ich diesen Fütterungstest auch mit einem Wolfsrudel durch und ich finde es bereits jetzt wahnsinnig spannend zu sehen, welche Unterschiede es im Verhalten von Wölfen zu dem von Hunden gibt. Ich kann es also kaum erwarten, die endgültigen Ergebnisse zu haben und analysieren zu können.

Teil der Forschungsarbeit des Wolf Science Centers sein zu dürfen ist für mich eine große Freude, da mir von Anbeginn meines Studiums an klar war, dass ich auf keinen Fall in einem Labor, sondern viel lieber in der freien Natur arbeiten möchte. Der enge Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Tieren, wie man sie hier erlebt, ist für mich eine komplett neue Erfahrung und umso länger ich hier bin, umso glücklicher bin ich, dass ich damals auf meinen Plan B, das Biologiestudium, zurückgreifen musste.