Tierische Kreativität

(31.08.2017, Laura Candelotto)

Foto: Rooobert Bayer Bild 1 von 4 Lightbox öffnen

Für die Masterarbeit ein Experiment durchführen zu wollen, bei dem die Tiere zunächst lernen müssen, wie ein Testapparat zu bedienen ist, ist eigentlich nicht unbedingt die beste Idee. Schon gar nicht, wenn man unter Zeitdruck steht. Und doch gibt es wohl kaum etwas Amüsanteres, als zu beobachten, welche verschiedenen und oft äußerst kreativen Methoden die Tiere haben, um an eine neue Aufgabe heranzugehen.

Für mein Experiment mussten die Wölfe und Hunde lernen, eine Wippe zu betätigen, indem sie sich auf die Platte an der einen Seite der Wippe stellen, wodurch dann das Leckerli von der anderen Seite der Wippe auf sie zu rollt. Für unsere Wölfe Shima und Aragorn war die Sache ganz klar, da war ein Leckerli, das sie nicht einfach so erreichen konnten und eine Holzplatte. Schon im allerersten Training hüpfte ein jeder von ihnen freudig auf und von der Platte und schien überhaupt keine Probleme mit dem Lärm und der Bewegung zu haben. Auch Kaspar verstand schnell, was zu tun ist, schien aber mehrere Verbesserungsvorschläge zur Form meines Apparats zu haben, die er mir jeweils sofort mit Hilfe seiner Zähne vorführen wollte. Da diese Umgestaltungen dann meist die Funktionalität des Apparats gefährdeten, habe ich dank Kaspar bis heute schon insgesamt 6 neue Röhren gebaut. Andere Wölfe wie etwa Wamblee hingegen, finden bereits die reine Existenz eines Apparats schlimm genug, um noch nicht einmal das Testgehege betreten zu wollen.

Auch unter den Hunden habe ich einige tolle Lerncharaktere kennen gelernt. Da gibt es zum Beispiel die Sensiblen, die jede noch so kleine Veränderung der Trainings-Situation zum Anlass nehmen, sämtliche vorher gelernten Trainingsschritte augenblicklich wieder zu vergessen. Und natürlich gibt es auch besonders mutige Hunde, wie etwa Zuri, denen die ganze Bewegung und der Lärm völlig egal sind, solange sie am Ende an ihr Futter kommen. Und dann gibt es da noch Asali. Asali ist in seinen Lernfähigkeiten eher gemütlich. So hat er beispielsweise eine ganze Session lang versucht seine Pfote an möglichst vielfältigen Positionen auf der Platte aufzulegen und dann erwartungsvoll zum Trainer geschaut ob das nun möglicherweise das verlangte Verhalten war. Dass man die Platte runterdrücken könnte schien dabei offensichtlich nicht sehr naheliegend. Hoch motiviert hat er also alle möglichen Pfotenstellungen  ausprobiert und nicht aufgegeben, obwohl nichts davon wirklich erfolgreich war. Mit ihm hatten wir wohl am allermeisten Spass. Jedes Tier ist absolut einzigartig und man trifft hier auf die unterschiedlichsten Charaktere. Und obwohl man dadurch Tiere hat die die Aufgabe in nur 2 Sessions lernen während andere über 10 brauchen, sind es genau diese Unterschiede, die das Leben und Arbeiten hier so unglaublich spannend und immer wieder äusserst amüsant machen.