Gerechtigkeit am Touchscreen messen?

(15.05.2017, Lina Oberließen)

Foto: Katharina Kriegler Bild 1 von 1 Lightbox öffnen

In meiner Studie am WSC untersuche ich, ob Wölfe und/oder Hunde eine gerechte einer ungerechten Belohnungsverteilung vorziehen. Mithilfe unseres speziellen Touchscreens, können die Tiere zwischen verschiedenen Belohnungsverteilungen wählen, indem sie sich für eins von zwei Symbolen entscheiden. Für jedes Symbol gibt es zwei Belohnungen, die nacheinander an zwei verschiedenen Belohnungs-Stationen ausgegeben werden.

Im Training kann das jeweilige Tier zu beiden Orten gehen und die Belohnungen fressen. Im Test hat es nur noch Zugang zu einer Belohnung, die andere bekommt ein Rudelmitglied. Der Trick dabei: Ein Symbol ist besser als das andere und es gibt leckeres Fleisch anstelle von Trockenfutter, allerdings nur an der Belohnungsstation, die im Test nur dem Partner zugänglich ist. Die Frage ist nun, ob die gelernte Präferenz für das Fleischsymbol im Test abnimmt, weil die Tiere nicht wollen, dass das Partnertier im Vergleich zu ihnen mehr bekommt.

Bisher sind die meisten Tiere noch in der Trainingsphase, in der sie lernen, was welches Symbol bedeutet. Das Foto von Zuri zeigt, dass die meisten unserer Wölfe und Hunde sehr gerne am Touchscreen arbeiten und es oft gar nicht abwarten können, endlich anzufangen. Einige schießen allerdings auch etwas über das Ziel hinaus. Amarok zum Beispiel findet die Stöcke, auf die ich das Futter lege, deutlich interessanter als das Futter selber. Da ich beim Tauziehen mit einem ausgewachsenen Wolf leider den Kürzeren ziehe würde und nicht jede Woche neue Belohnungsstöcke kaufen möchte, mussten wir das Design bei ihm ein wenig modifizieren. Die Stöcke liegen nun sicher in unerreichbarer Ferne und ich werfe Amarok das Futter mehr oder weniger gekonnt durch den Zaun zu.